
Aufgewachsen auf einem Obstbaubetrieb in der Weststeiermark verschlug es Regina Norz nach ihrem Studium an der BOKU in Wien der Liebe wegen nach Tirol. Konkret an den Surerhof in Thaur, den sie gemeinsam mit ihrem Mann Josef vor mehr als 35 Jahren übernommen hat. Da ihr Mann an der landwirtschaftlichen Fachschule in Rotholz tätig war, übernahm Hildegard von Anbeginn die Betriebsführung des eingesessenen Hofes, der bereits 1469 erstmals urkundlich erwähnt wurde.
Einen Hof zu bewirtschaften, ist für Regina Norz etwas ganz Besonderes. „Mit einem Hof erbt man auch viel Verantwortung. Er ist nur geliehen, um die Werte für die nächsten Generationen zu erhalten. Nur aus Ideologie allein kann ein Hof nicht funktionieren, da braucht es auch wirtschaftliche Verantwortung und mutige Entscheidungen. Als Bäuerin muss man neben viel Ausdauer und Einsatzbereitschaft auch in Sachen Know-how breit aufgestellt sein“, ist die Landwirtin überzeugt. Sie verfügt über wertvolles Rüstzeug in Wirtschaft, Naturwissenschaft, Lebensmittel- und Produktionstechnik als auch im rechtlichen Bereich. Zu ihrer täglichen Arbeit zählen neben der praktisch-technischen Arbeit am Feld auch strategische Planung, zahlreiche administrative Tätigkeiten und Dokumentationen bis hin zum Mitarbeitermanagement. Nebenbei ist sie auch in verschiedensten Funktionen in der Interessenvertretung tätig, beispielsweise in der Landwirtschaftskammer, oder gibt ihr Wissen in zahlreichen Fortbildungsangeboten weiter.
Strategischer Weitblick
Regina Norz blickt weit über den Tellerrand und weit über die Grenzen ihrer eigenen Anbauflächen. Ihr Engagement bei der Bauernkiste kommt nicht von ungefähr: Ihr geht es um generelle Werte wie Nachhaltigkeit, regionale Wertschöpfung, frische und sauber kontrollierte Lebensmittel aus der näheren Umgebung und ganz besonders darum, das Überleben kleinstrukturierter Landwirtschaft gegenüber der mächtigen Konkurrenz von importierter Ware und dem Großhandel zu ermöglichen. Darum setzt sie sich auch beherzt für die Herkunftskennzeichnung ein: „Konsument*innen haben ein Recht darauf, zu wissen, wo die Lebensmittel herkommen, um auch eine reife Kaufentscheidung treffen zu können. Das an sich gewachsene Regionalitätsbewusstsein spiegelt sich leider nicht immer im Griff im Regal wider.“
Gesunder Fruchtgenuss
Beherzt war auch ihre Entscheidung, den übernommenen klassischen Mischbetrieb stufenweise auf reinen Obstbau umzustellen. In Anbetracht der Tatsache, dass es sich beim Obstbau um langfristige Dauerkulturen handelt und bis zum ersten Ertrag Jahre vergehen können, kam ihr bei der Umstellung ihr strategisches Geschick zugute. „Begonnen haben wir mit Strauchbeeren wie Himbeeren, Brombeeren und Ribisel. Innerhalb weniger Jahre haben wir dann den kompletten Betrieb auf Obst umgestellt“, sagt Regina Norz. Heute kommen wohlschmeckende, sonnengereifte Kirschen, Weichseln, Äpfel, Birnen, Zwetschken und Mirabellen dazu. Sie alle reifen während der Sommermonate auf den Thaurer Feldern und werden nahezu täglich frisch geerntet. Da hilft die gesamte Familie samt Mitarbeiter*innen zusammen, denn jede Frucht wird vom Pflücken über das Aussortieren und die Kontrolle bis zum Verpacken mindestens zwei bis dreimal in die Hände genommen. Nur makellose Früchte landen bei den Konsument*innen. Aus Früchten mit guter innerer Qualität mit kleinen Schönheitsfehlern wird Saft oder Nektar hergestellt. Besonders köstlich wirds, wenn die Brombeeren vom Surerhof im Tomaselli- Eis der Woche landen und für einen fruchtig erquickenden Eisgenuss sorgen.
Die Nachfrage nach den köstlichen Obstsorten ist groß, die Vermarktung erfolgt fast ausschließlich im Direktvertrieb über die Bauernkiste, den eigenen SB-Hofladen, den Thaurer Bauernladen, sowie über die Tiroler Gemüsekiste. Im Lebensmitteleinzelhandel finden sich die schmackhaften Kirschen mit dem Siegel Qualität Tirol bei M-Preis und auch Gastronomiebetriebe setzen auf die sonnengereiften Obstsorten aus Thaur.
Die mutige Umstellung hat sich gelohnt, ihre Tätigkeit würde Regina Norz trotz vieler Risiken bei der Arbeit mit der Natur immer wieder wählen: „Agrikultur gehört zu den ältesten Formen der Kultur. Sie prägt unser gepflegtes Heimatland und wird auch als Rückgrat unserer Gesellschaft bezeichnet. Schon unsere Vorfahren haben trotz Krisenzeiten und persönlichen Tragödien nie aufgegeben und Durchhaltevermögen bewiesen.“ Ihr Wissen gibt sie gerne weiter, insbesondere an ihre drei Töchter Sophia, Marie-Theres und Hofnachfolgerin Veronika. „Jede Generation hat ihre eigenen Herausforderungen. Deshalb halten auch neue Herangehensweisen und Innovationen – die übrigens sehr oft von Frauen ausgehen – den Fluss des Lebens am Laufen. Es freut mich besonders, dass unsere drei Töchter tief in der Landwirtschaft verwurzelt sind und Veronika den Hof übernehmen wird.“ Mit ihrem kürzlich eröffneten zusätzlichen Betriebszweig „Slow Flowers“ wird sie mit regional, saisonal und nachhaltig angebauten Schnittblumen den Surerhof auch in Zukunft aufblühen lassen. „Ein respektvolles Miteinander prägt unsere Zusammenarbeit in der Familie. Jedes Talent hat seinen Platz am Hof“, freut sich Veronika Norz-Klingenschmid. Vielleicht liegt es auch am weiblichen Multitasking, dass Bäuerinnen in landwirtschaftlichen Betrieben trotz Fokus und Durchhaltevermögen auch immer wieder nach links und rechts schauen.
Text: Doris Helweg
Fotos: Lisa Jungmann

