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Life

Ostfriesen in Arzl

8.9.2026

Es ist ein idyllisches Bild, wenn die Milchschafe gemeinsam mit Alpakas und Lamas auf der Wiese unterhalb des Kalvarienbergs in Arzl grasen. Hofhund Emil passt auf sie auf. Ebenso wie auf die Hühner und Kaninchen am Hof. Für Andrea Schreiner startet der Tag um sieben Uhr morgens nicht mit einem Frühstück, sondern mit Stallarbeit. Zuerst müssen die Tiere versorgt und gemolken werden. Erst dann gönnt sie sich selbst ein Frühstück mit Produkten vom eigenen Hof wie Schafmilchjoghurt mit frischen Früchten, ein Frühstücksei von den eigenen Hühnern, Brot von umliegenden Bauern sowie Butter und Marmelade aus ihrem Hofladen. Danach geht’s in ihre hauseigene Käserei, wo sie ihre köstlichen und gleichsam gesunden Produkte aus Schafmilch mit viel Liebe herstellt.
 
Auf Ostfriesen gekommen
 
Eigentlich war Andrea Finanzbuchhalterin. Als ihr Vater schwer erkrankte, stellte sich die Frage: Wie gehts weiter mit dem elterlichen Hof? Sie sattelte kurzerhand um und absolvierte die landwirtschaftliche Landeslehranstalt in Rotholz, wo sich für sie bereits herauskristallisierte, dass sie gerne mit Milch arbeiten möchte. Aber nicht so gern mit Kühen. Sie fragte nach, informierte sich, besuchte und arbeitete bei Schafzuchten in Oberösterreich und Salzburg mit und entdeckte dabei ihre Liebe zu den wolligen, sanftmütigen Tieren. Im Gegensatz zu den in Tirol üblichen Bergschafen entschied sie sich für die sehr intensive Haltung von Milchschafen, nämlich die Rasse der Ostfriesen. „Anfangs musste ich viel Lehrgeld bezahlen“, erinnert sich die Landwirtin. Die Aufzucht der Lämmer ist alles andere als leicht. „Lämmer sind wie Babys, die muss man hegen und pflegen und genau auf die Fütterung achten, damit sie gesund bleiben.“ Wenn sie auf die Welt kommen, ist Andrea oft die ganze Nacht auf und leistet den Mutterschafen bei der Ablammung Beistand. Umso größer ist die Freude, wenn die Lämmchen gesund auf den idyllischen Wiesen des Mallnhofs herumhüpfen und ihnen die Zeit gegeben wird, ganz natürlich zu glücklichen Tieren heranzuwachsen.
 
Für die Schafmilch fand sie flugs Abnehmer und so machte sie sich daran, mit zahlreichen Umbauten und Stalleinrichtungen den Ostfriesen eine artgerechte Unterkunft zu schaffen. Ganz nebenbei begann sie in ihrer Küche, verschiedenste Produkte aus Schafmilch auszuprobieren. Das kam in der Familie sehr gut an, weshalb die Kinder schließlich befanden: „Mama, das kannst verkaufen!“ Auf einer kleinen Tafel vor dem Mallnhof pries sie Frischkäse und Schafmilchjoghurt an – die Geburtsstunde ihrer Direktverwertung und -vermarktung.
 
Köstliches aus Schafmilch bei der Bauernkiste
 
Mit der Vermarktung über die Bauernkiste wagte Andrea 2010 den nächsten, für sie ziemlich elementaren Schritt. Nun war Kreativität gefragt. Nicht nur im Design von Verpackungen und Etiketten, sondern auch in der Produktentwicklung selbst. Heute produziert sie in ihrer eigenen professionellen Produktionsstätte am Hof unzählige Köstlichkeiten wie verschiedenste Kreationen von Schafmilchjoghurts, „Schafella“, Schaffrischkäsesorten in Molke, Obstdesserts, eingelegte Schafkäsewürfel mit unterschiedlichen Geschmäckern, Schaftopfenbällchen mit Basilikumpesto, Schafkäse nach Feta-Art und mehr.
 
Mit dem Vorurteil, dass Schafmilchprodukte „bockelen“, möchte die Schäferin endlich aufräumen: „Echte, reine Schafmilch schmeckt süßlich und nussig. Sie hat eine eigene Fettzusammensetzung, die leichter verträglich und vor allem bei Kuhmilchunverträglichkeit eine gute und sehr gesunde Alternative ist. Zudem legen wir großen Wert auf reine Heufütterung, was sich positiv auf den Geschmack auswirkt.“ Überzeugungsarbeit musste sie anfangs dennoch leisten, doch wer ihre Produkte einmal gekostet hat, wird gerne zum Wiederholungstäter.
 
Mittlerweile vertreibt Andrea Schreiner ihre Produkte nur mehr über die Bauernkiste und ihr eigenes „Arzler Bauernladele am Mallnhof“, das sie 2016 eröffnet hat. „Ich mache gern Gemeinschaftsprojekte. Im Hofladen verkaufen dörfliche und umliegende Bauern ihre Produkte und selbstgemachten Köstlichkeiten, darunter auch Herzhaftes wie Schnitzel, Braten, Kuchen und Torten.“ Und als besonderes Highlight: Knödel und andere saisonale Schmankerl von Nicole, Andreas Tochter. „Ich habe immer versucht, meinen Kindern Wurzeln und Flügel zu geben. Dass meine Tochter in den Betrieb zurückgekehrt ist und mit ihren Kreationen unser Angebot bereichert, freut mich ganz besonders.“
 
Heute ist Andrea Schreiner angekommen. Sie hat ihre Berufung gefunden. Und daran gibt es auch keinen Zweifel mehr, auch wenn der Weg ihr viel abverlangt hat. Doch aufgeben war nie eine Option und wird es auch in Zukunft nicht sein. Denn Menschen mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen, ist ihr eine Herzensangelegenheit. „Was in unserer Heimat wächst, das brauchen wir auch für unser Leben. Ohne künstliche Zusätze und ohne Haltbarmachung. Mit dem ursprünglichen Geschmack, den Lebensmittel haben sollen.“
 
Text: Doris Helweg

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