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Life

Gespür und Weitblick

8.9.2026

Sabina Puelacher liebt Pflanzen. Darum hat sie ursprünglich eine Ausbildung als Floristin abgeschlossen. Doch aus ihrer Jugendliebe wurde bald ein ehelicher Bund und so kam sie vor etwa 34 Jahren an den Kotterhof in Thaur, den sie auch heute noch im Familienbund mit ihrem Mann und ihren drei Kindern betreibt. Selbst aufgewachsen auf einem Viehzuchtbetrieb in Terfens war ihr das bäuerliche Leben bereits bestens vertraut. Und doch wollte sie immer schon etwas Eigenständiges machen, als Bäuerin ihren eigenen Weg gehen.
 
Bei der Hofübernahme war der Kotterhof noch ein Mischbetrieb mit Milchvieh und Gemüseanbau. Ihr Spürsinn und ihr Weitblick bereits in jungem Alter haben wesentlich dazu beigetragen, dass bald nach ihrer Hochzeit der Betrieb gänzlich auf Gemüsebau umgestellt war. Anfangs wurden noch Handelsketten beliefert, doch für Sabina war dieser Vertriebsweg nicht stimmig. Sie wollte unabhängiger sein und vor allem ihr eigenes Ding aufziehen. So begann sie 1993 mit ihren feldfrischen Produkten auf Bauernmärkte zu gehen. Ihren ersten Stand hatte sie im Sillpark, den sie jeweils Freitag und Samstag zu den Geschäftszeiten bediente. Nur wenige Jahre später taten sich 1997 gleich zwei neue Möglichkeiten der Direktvermarktung auf. Zum einen der Thaurer Bauernladen, zum anderen die Bauernkiste. Auch wenn sie nicht wusste, was genau da auf sie zukommt, setzte sie sich mit Mut und Innovationskraft durch, den Weg in die Direktvermarktung anzutreten. Das gab den Puelachers zumindest jene Freiheit, zu entscheiden, welche Produkte wann angebaut werden. Aber auch den Gestaltungsspielraum, bei der Preisgestaltung ein Mitspracherecht zu haben. „Wenn du heute als bäuerlicher Betrieb überleben willst, musst du dich entscheiden, zu wachsen und den Betrieb zu vergrößern, oder eine Nische finden“, bringen es die Puelachers auf den Punkt.
 
Gemüsevielfalt im Direktvertrieb
 
Sabina war schließlich die treibende Kraft, Gründungsmitglied bei der Bauernkiste zu werden. Und nicht nur das. Sie organisiert und bewerkstelligt am Kotterhof auch seit Anbeginn die Packstation der Bauernkiste für die Region Karwendel. Dafür wurde kurzerhand und mit erheblichen Investitionskosten der ehemalige Stall in Kühlräume umgebaut. Angebaut wird eine bunte Fülle von 40 verschiedenen Gemüsesorten und Salaten. „Durch unsere kleinstrukturierte Arbeit können wir das ganze Jahr über viel Abwechslung bieten. Das bedeutet für unsere Kund*innen eine große Vielfalt an Produkten und für uns eine abwechslungsreiche Arbeit“, sagt die Landwirtin. Auf ihren sechs Hektar Ackerflächen auf den Thaurer Feldern gedeihen neben den gängigen heimischen Gemüsesorten wie Kartoffeln, Zwiebeln, Tomaten, Bohnen und Gurken auch Melanzani, Physalis, Artischocken, Koriander sowie Spinat und Mangold. Im Herbst werden Karfiol, Brokkoli, Romanesco, Kohlrabi, Weiß- und Rotkraut, grüner und Sprossenkohl geerntet.
 
Im naturnahen Anbau wird dabei jede Hand gebraucht. Seit vielen Jahren setzt Romed auch auf Effektive Mikroorganismen (EM). In der Landwirtschaft helfen diese Mikroorganismen, gesunde Böden zu erhalten und zu fördern. Mit Gründüngung und ständigem Fruchtwechsel achten die Puelachers zudem auf die Bodengesundheit ihrer Anbauflächen und reduzieren damit den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf ein absolutes Minimum. In drei Gewächshäusern, in denen verschiedene Gemüse schon früh im Jahr natürlich auf Erde wachsen können, wird gänzlich auf den Einsatz von Insektiziden verzichtet und nur mit Nützlingen gearbeitet. Geerntet wird zum größten Teil von Hand. Frisch vom Acker. Sohn Romed bringt dabei mit innovativen Ideen durchaus praktische Erntehilfen ein – eine Schneidemaschine für Spinat, die auch für die Rucola-Ernte eingesetzt werden kann zum Beispiel.
 
Gelebte Wertschätzung
 
Damit organisatorisch alles glatt läuft, wird Sabinas Weitsicht von allen sehr geschätzt. „Meine Mutter ist für mich nicht nur eine starke Frau, sondern vielfach auch die treibende Kraft am Hof. Sie verbindet Erfahrung mit neuen Ideen, organisiert und hält Familie und Betrieb zusammen“, findet Sohn Romed jr. als künftiger Hofnachfolger wertschätzende Worte für seine Mutter.
 
Es läuft großartig. Mit der Bauernkiste und den Puelachers. Die Umstellung auf reine Direktvermarktung war der richtige Schritt. „Man muss über den eigenen Teller- und Feldrand hinausschauen. Das habe ich von der Bauernkiste gelernt. Auch der Gemüseanbau ist ein dynamisches System, das ständig in Bewegung ist“, so Sabina Puelacher. Dass über die letzten Jahrzehnte viel Esskultur verloren gegangen ist, bereitet ihr ein bisschen Wehmut. „Es wäre schön, wenn qualitativ hochwertige Lebensmittel wieder einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft hätten. Wenn anstelle des schnellen Griffs zu Fertiggerichten wieder öfter frische und regionale Nahrungsmittel auf den Tellern landen würden. Viele haben schon verlernt, wie eine echte Tomate, knackfrischer Salat oder Brokkoli schmecken.“
 
Sabina Puelacher wird jedenfalls weiterhin ihren Fokus darauf richten, den Kund*innen der Bauernkiste, des Thaurer Bauernladens und der Gemüsekiste eine bunte Vielfalt an wertvollen, naturnah angebauten Gemüsesorten zu bieten. Dass auch Tochter Raffaela und Sohn Romed am Kotterhof vollzeitbeschäftigt engagiert sind, freut sie besonders. Nicht nur für den Fortbestand der Landwirtschaft und der Bauernkiste, sondern auch persönlich: „Ich musste immer viel arbeiten, so bekomme ich eine zweite Chance, ein wenig versäumte Zeit mit den Kindern wieder aufzuholen.“
 
Text: Doris Helweg
Fotos. Thomas Steinlechner

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