
Hildegard Plank ist Bäurin aus Überzeugung und Leidenschaft. Selbst aufgewachsen auf einem viehhaltenden Hof am Wattenberg liegt es in ihrem Charakter, ausdauernd und mit viel Fleiß angestrebte Ziele zu verfolgen. Das gemeinsame Ziel von ihr und ihrem Mann Romed war und ist es, den Nachkommen eine solide Basis zu übergeben, damit auch die junge Generation mit dem Lebenswerk gut wirtschaften kann. „Wir sind schon stolz darauf, dass uns das gelungen ist“, freut sich Hildegard bei unserem Besuch am Bartlhof in Thaur. Sie haben als Familie etwas geschaffen, was heute absoluten Seltenheitswert hat. Nämlich eine Fleisch- und Wurstproduktion, die beginnend vom Anbau der Futtermittel über die Viehhaltung und hauseigene Schlachtung bis hin zur Verarbeitung und dem Verkauf in der eigenen Hofmetzgerei oder auf Bauernmärkten in einem durchgängigen Prozess stattfindet.
Als Metzgermeister ist Sohn Romed jr. mittlerweile gemeinsam mit seinem Vater Romed sen. Herr über den Schlachtraum. Das Tierwohl liegt den Planks dennoch am Herzen. „Es muss für die Viecher passen. Die Kühe kennen uns von Geburt an, bekommen ihr Futter und gehen ruhig und vertrauensvoll mit uns mit“, erklären die Planks. Der Wohlfühlstall, das selbst auf Thaurer Feldern angebaute Viehfutter und die sorgsame Hege und Pflege wirken sich auch positiv auf den Fleischgeschmack aus. Den Sommer verbringt ein Großteil der Rinder samt Kälbern auf der Alm in Lüsens, die Schweine und Hühner genießen ihr Dasein im seit 2009 ausgelagerten, biotauglichen Wohlfühlstall mit großzügigem Auslauf. Die Mutterkuhhaltung, bei der die Kälber bei der Mutter bis zur nächsten Abkalbung trinken dürfen, verleiht dem Fleisch eine besonders gute Qualität.
Macherin im Hintergrund
Eine derartige durchgängige Kette der Fleischproduktion bedingt allerhand planerische und organisatorische Tätigkeiten im Hintergrund. Hier kommt das große Geschick von Hildegard ins Spiel, die stets den Überblick behält. Das beginnt bei den unzähligen Hygienevorschriften, der Beschau durch den Tierarzt, der Einteilung der Mitarbeiter*innen, der Planung, welche und wie viele Produkte produziert werden, und vor allem der Organisation der Direktvermarktung. Neben Schweine-, Rind-, Kalb- und Hühnerfleisch werden am Bartlhof eine ganze Reihe von Wurstwaren, selbst geräucherter Speck und Dauerwürste, Verhackertes und angesagte Dry-Aged-Edelteile hergestellt. Besonders beliebt sind die Grillspezialitäten von Sohn Romed sowie die von Hildegard liebevoll zubereiteten Jausenplatten, Knödel und Wurstsalate. Erhältlich sind die qualitativ hochwertigen Gustostücke seit Anbeginn über die Bauernkiste, im Thaurer Bauernladen, den Bauernmärkten am Innsbrucker Sparkassenplatz, Wilten und Hall. Und seit 2020 in ihrer eigenen Hofmetzgerei am Bartlhof, die sie gemeinsam mit Sohn Romed – ebenfalls gelernter Metzger mit vielen innovativen Ideen – betreibt. Romed jr. ist übrigens auch ein hervorragender Grillmeister und veranstaltet immer wieder Grillkurse am Hof.
Alles selbst zu machen, ist nicht nur eine Frage der höheren Wertschöpfung, sondern auch Ausdruck eines ethischen Bewusstseins und der Achtung vor dem Lebewesen. Denn auch die Tiere haben ihren eigenen Charakter. So wird am Bartlhof darauf geachtet, dass die Horden auch harmonieren. Nach dem Nose-to-Tail-Prinzip werden alle Teile verwertet – Schweineohren beispielsweise für Hunde getrocknet oder Lunge und Innereien zu Hundefutter verarbeitet. Während bei den gängigen Wurstsorten mit Codex-Vorschriften nicht viel individueller Spielraum bleibt, kann Romed Plank sen. bei Speck, Kaminwurzen und anderen Dauerwürsten seinen eigenen Rezepturen freien Lauf lassen. Geräuchert wird hochprofessionell in der hauseigenen Räucherkammer.
Gelungenes Lebenswerk
Für Hildegard war und ist es der richtige Weg, auch wenn sie vormals als Diplomkrankenschwester tätig war: „Am Ball bleiben muss man da wie dort.“ Sich auf einem Lebenswerk auszuruhen, steht für Hildegard Plank nicht zur Diskussion. Dennoch genießt sie es, dass der Betrieb nun gut durchstrukturiert ist und sich auch die nächste Generation weitgehend entschieden hat, am Projekt Bartlhof in irgendeiner Form mitzuwirken. Was ihr immer wichtig war, ist, dass auch ihre eigenen Kinder für ihre Tätigkeiten im Betrieb entlohnt werden. Das ist für sie eine Frage der Wertschätzung ebenso wie der Absicherung für die Zukunft. In der baldigen Pension will sie es zumindest ein bisserl leiser angehen lassen, während Sohn Romed jr. mit seiner Frau Anna den Betrieb Schritt für Schritt übernehmen und mit neuen Ideen in die Zukunft führen wird. Dass sich die Familie samt Mitarbeiter*innen täglich zum Mittagstisch und meistens auch zum Nachmittagskaffee in ihrer modern eingerichteten Küche trifft, ist für Hildegard eine wichtige Zeit. „Miteinander essen ist wertvoll für den Zusammenhalt und da wird auch viel besprochen“, erzählt sie. Auf den Tisch kommt allerdings nicht nur Fleisch. Da gibt’s neben Schnitzel, Gulasch, Wurstnudeln oder Gegrilltem auch mal Marillenknödel, Moosbeernocken, Schölfeler oder Pfifferlinggulasch – was halt die Saison gerade zu bieten hat. Auch zum Sonntagskaffee treffen sich alle Familienmitglieder gerne bei Hildegard, wenn sie wieder einen ihrer köstlichen Kuchen kredenzt.
Text: Doris Helweg
Fotos: Thomas Steinlechner

