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Life

Allergien

4.4.2025

Allergien scheinen in den vergangenen Jahren immer weiter zuzunehmen. Dass das nicht nur ein subjektives Empfinden ist, bestätigt Dr. David Wanner. Er ist Facharzt für Innere Medizin und Pneumologe sowie Geschäftsführer und ärztlicher Leiter des Allergieambulatoriums Hall, das neben der Universitätsklinik DIE Anlaufstelle für die Diagnose und Behandlung von Allergien und Unverträglichkeiten in Westösterreich ist. Seit einem halben Jahr ist Wanner außerdem Konsiliararzt im Park Igls: „Die Zahl an Allergiker*innen nimmt in der Tat laufend zu. Dies ist vor allem mit Veränderungen in unserem Umfeld zu erklären“, sagt er. Mit dem Wandel der klimatischen Bedingungen werden in Mitteleuropa etwa immer mehr Pflanzen heimisch, die früher nur in entfernten Breitengraden zu finden waren. Auch die stetig wachsende Vielfalt an Nahrungsmitteln und Verarbeitungstechniken führt zu deutlich mehr Inhaltsstoffen, die in der Gesamtheit zu einem potenziell höheren Allergierisiko führen. Nicht jede gefühlte Allergie indes ist eine. „Im Zuge der Anamneseerhebung ist die Frage nach Allergien obligatorisch“, erklärt Dr. Peter Gartner, Chefarzt im Gesundheitszentrum Park Igls. „Die meisten unserer Gäste wissen jedoch erstaunlich unkonkret darüber Bescheid. Vieles bewegt sich dabei im Bereich der Vermutungen. Die Zusammenarbeit mit dem Allergieambulatorium ist für die Patienten deshalb extrem wertvoll, weil sie mit einer einzigen Blutabnahme Fakten und Klarheit schafft.“
 
eco.nova: Was genau versteht man unter einer Allergie und wie unterscheidet sie sich zum Beispiel von einer Erkältung? David Wanner: Dringen etwa Viren oder Bakterien von außen in den Körper ein, wird eine entsprechende Immunreaktion ausgelöst. Bei einer Erkältung reagiert der Körper also auf einen Eindringling, der für ihn eine Gefahr darstellt. Eine Allergie ist darüber definiert, dass unser Immunsystem auf externe Einflüsse reagiert, die für uns im Normalfall keine Gefahr darstellen. Im Grunde ist eine Allergie somit eine Über- oder Fehlreaktion unseres Körpers.
 
Was versteht man in diesem Zusammenhang unter dem Begriff Sensibilisierung? David Wanner: Sensibilisierung bedeutet, dass das Immunsystem auf ein Allergen reagiert und spezifische Antikörper bildet, allerdings treten noch keine Symptome auf. Können etwa Antikörper auf Hundehaare nachgewiesen werden, heißt das nicht, dass man allergisch dagegen ist. Erst wenn der Körper symptomatische Reaktionen zeigt, wird es zur Allergie. Kurz gesagt: Nicht jede Sensibilisierung führt zu einer Allergie, aber jede Allergie beginnt mit einer Sensibilisierung.
 
Wie lassen sich Allergien fundiert testen? Peter Gartner: Im Park Igls legen wir generell Wert auf eine umfangreiche Anamnese, für die wir uns auch entsprechend Zeit nehmen. Sie ist in fast allen Bereichen eines unserer wertvollsten Werkzeuge. Die Frage nach Allergien ist dabei meist eine der ersten. Das Wissen darüber ist allerdings oft vage, viele haben eher ein diffuses Gefühl. Folglich vermeiden sie vielleicht seit Jahren bestimmte Lebensmittel, obwohl das gar nicht nötig wäre. Manchmal handelt es sich bei bestimmten Beschwerden nicht um eine Allergie, sondern um eine so genannte Idiosynkrasie, also eine Art Überempfindlichkeit, oder eine Aufnahmeschwäche der Darmschleimhaut, wie es etwa bei Laktose- oder Fruktoseintoleranz der Fall ist. Die meisten Gäste sind deshalb sehr dankbar für die Möglichkeit, sich vom Allergieambulatorium kompetent und fachgerecht testen lassen zu können.

David Wanner: Im Allergieambulatorium bieten wir sämtliche moderne Möglichkeiten, um Allergien und Unverträglichkeiten zu diagnostizieren – vom einfachen Prick-Test, einem Hauttest, der etwa zur Diagnose von Heuschnupfen eingesetzt wird, bis hin zu molekularer Diagnostik, mit der sich eine Reihe selbst hochspezifischer Allergene testen lässt. Wir verfügen seit Kurzem über einen eigenen Allergy-Explorer-in-vitro-Test im Ambulatorium, mit dem wir direkt vor Ort 295 verschiedene Allergene testen können. In der Diagnostik ist ALEX aktuell das Nonplusultra und kann von inhalativen Allergien wie Heuschnupfen oder Tierhaaren bis hin zu Insektengiften alles testen. So lassen sich Allergien sehr präzise bestimmen, es lässt sich herausfinden, ob es sich um primäre oder sekundäre Allergien, so genannte Kreuzallergien, handelt und wie ausgeprägt und in weiterer Folge gefährlich die Allergie tatsächlich ist. Es macht für Patient*innen einen Unterschied, ob ein Bienenstich im schlimmsten Fall einen lebensbedrohlichen Schock auslösen kann oder ob beim Verzehr von Erdnüssen lediglich der Mund ein wenig kribbelt.

Peter Gartner: Das Tolle für unsere Patient*innen ist, dass es für die gesamte umfangreiche Testung mit dem Allergy Explorer nur eine einzige Blutabnahme braucht. Weil die Auswertung direkt im Allergieambulatorium erfolgt, liegen uns die Ergebnisse in der Regel innerhalb nur eines Tages vor.
 
Können Allergien auch wieder „verschwinden“? David Wanner: Grundsätzlich kann jede Allergie zu jedem Zeitpunkt entstehen und auch wieder verschwinden. Was dahintersteckt, lässt sich leider nicht genau sagen. Man weiß aus Erfahrungen, dass zum Beispiel inhalative Allergien im Alter tendenziell schwächer werden. Bei ganz jungen Kindern lassen sich oft auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten beobachten, die im Laufe der Zeit wieder abnehmen.
 
Sind Männer oder Frauen anfälliger für Allergien? David Wanner: Prinzipiell gibt es hier keine Unterschiede. Man weiß allerdings, dass hormonelle Einflüsse eine Rolle spielen können und Östrogen ein Allergietrigger sein kann. Hier haben Frauen sozusagen von Natur aus einen Nachteil.
 
Wie kann man im Park Igls Patient*innen mit Allergien unterstützen?

Peter Gartner: 70 bis 80 Prozent der immunkompetenten Zellen unseres Körpers sind in der Darmschleimhaut des Dünndarms angesiedelt. Das Mikrobiom spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulation unseres Immunsystems und steht damit auch in engem Zusammenhang mit der Entwicklung von Allergien. Dies ist mittlerweile auch in zahlreichen Studien auf universitärer Ebene und international auf höchstem wissenschaftlichen Niveau bestätigt. Unsere primäre Aufgabe im Park Igls ist es, die Darmgesundheit unserer Patient*innen zu unterstützen und Dysbalancen auszugleichen. Die Basis eines Aufenthaltes bildet deshalb immer die Moderne Mayr-Kur, denn was auch immer man seinem Darm Gutes tut: Man unterstützt damit sein gesamtes Immunsystem und hilft dem Körper, adäquat auf äußere Einflüsse zu reagieren.
 
Lassen sich Allergien generell heilen? David Wanner: Man kann Allergien in Form einer Desensibilisierung „verlernen“. Das funktioniert allerdings nicht im Laufe von zwei, drei Wochen und leider auch nicht für alle Arten von Allergien. Für inhalative Allergien sind die Möglichkeiten bereits weit fortgeschritten und durchaus etabliert, für Nahrungsmittel stecken sie hingegen noch in den Kinderschuhen. Generell muss jede Desensibilisierung mit einem stationären Aufenthalt in der Klinik beginnen.

Peter Gartner: Auch wir können im Park Igls Allergien nicht heilen, doch wir können den Patient*innen helfen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen, Symptome zu mildern und geben ihnen Werkzeuge an die Hand, um den Alltag auch mit ihrer Allergie bestmöglich zu gestalten. Unser Ziel ist es, unsere Patient*innen im Haus nicht nur zu behandeln, sondern ihr Leben langfristig und nachhaltig zu verbessern.

David Wanner: Ich bin zu 100 Prozent überzeugt davon, dass wir in den kommenden Jahren noch viel mehr Aufschluss darüber gewinnen werden, welche Rolle ein gesundes Mikrobiom für unser Immunsystem und unsere Gesundheit spielt. Wir wissen bereits viel, aber viel mehr wissen wir noch nicht einmal annähernd. Im Park Igls wird ein Bewusstsein dafür geschaffen, wie essentiell ein gesunder Darm ist. Das ist eine wichtige Erkenntnis. Wenn man beginnt, sich während eines Aufenthaltes intensiv mit sich selbst und seinen Ernährungsgewohnheiten zu beschäftigen, dann hat man eigentlich schon gewonnen.
 

Interview: Marina Bernardi
Fotos: Andreas Friedle

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