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Wirtschaft

Rossau gestalten

1.6.2026

Gudrun Pechtl und Stephanie Bassetti haben eine spannende Aufgabe übernommen und eine Reise angetreten, die mit dem „Quartiersmanagement Rossau“ quasi Neuland betritt. Entstanden aus dem zweijährigen Entwicklungsprozess „Standortoffensive Rossau“ wurde das Quartiersmanagement mit Juli 2024 direkt im Stadtteil Rossau angesiedelt. Als Teil des Standortmanagements der Innsbruck Marketing GmbH nehmen die beiden Herausforderungen ansässiger Unternehmen aktiv auf und kuratieren einen Dialog zwischen Unternehmer*innen, Grundstückeigentümer* innen, Politik, Stadt und städtische Einrichtungen, der Wirtschaftskammer Tirol sowie anderen relevanten Organisationen. „Unser Ziel ist die Stärkung der Rossau als attraktives und zukunftsorientiertes Wirtschaftszentrum“, betont Gudrun Pechtl, Leiterin des Quartiersmanagements Rossau. Keine leichte Aufgabe, handelt es sich doch um ein Pionierprojekt im österreichischen Raum und viele Akteur*innen, die im Geschehen involviert sind. Und um unterschiedlichste Interessen und eine Vielzahl an Anlaufstellen. In unzähligen Gesprächen hat sich das Quartiersmanagement ein Bild davon gemacht, was die Unternehmer*innen brauchen, um auch in Zukunft am Standort Rossau erfolgreich wirtschaften, sich weiterentwickeln und ihren Beschäftigten ein attraktives Umfeld bieten zu können. Rund eineinhalb Jahre nach dem Start hat sich das Pilotprojekt zu einem echten Standortmanagement entwickelt, das von Stadtpolitik und Unternehmer*innen gleichermaßen geschätzt wird.

Infrastruktureller Nachholbedarf

Mag. Dieter Unterberger, Autohaus Unterberger, und Markus Dax, STEKA Werke, waren von Anbeginn treibende Kräfte seitens der Unternehmer*innen, die Transformation des wild gewachsenen Wirtschaftsgebiets voranzutreiben. „Unser Bestreben lag vor allem darin, das Augenmerk auf eine Verbesserung der Infrastruktur in der Rossau zu legen. Das gesamte Gebiet wurde über Jahrzehnte stiefmütterlich behandelt und ist nur aus den Unternehmen heraus gewachsen. Das brachte zunehmend veritable Standortnachteile sowohl für die Betriebe an sich als auch für die Mitarbeitenden“, so Dieter Unterberger. Auch Markus Dax sieht infrastrukturelle Maßnahmen am dringlichsten: „Für uns und unsere Mitarbeiter*innen ist eine sehr gute Öffi-Anbindung entscheidend, wenn es um die Arbeitskräfte von morgen geht. Die jetzige Situation ist der Größe und Bedeutung der Rossau einfach nicht angemessen. Außerdem müssen die Straßen und die dazugehörigen Gehwege auf den heutigen Sicherheitsstandard gebracht werden.“ „Wir schauen sehr positiv nach vorne“, sagt auch Veronika Kärle-Haid von Haid Werbetechnik, „die Rossau hat viel Potenzial. Wenn Unternehmen auch weiterhin Verantwortung übernehmen und ihre Standorte weiterentwickeln, gewinnt das ganze Quartier.“

Mit der Implementierung des Quartiersmanagements Rossau zeigen die Stadt Innsbruck, das Land Tirol und die Wirtschaftskammer Tirol ihr Commitment, dass Transparenz und Dialog auf Augenhöhe entscheidend für die weitere Entwicklung des Quartiers sind. „Als ersten Schritt haben wir mit dem Nachtparkverbot dem Wunsch der Unternehmen entsprochen, um Dauerparker aus dem Gebiet zu bringen. Des Weiteren arbeiten wir aktuell daran, den Kreuzungsbereich Archenweg – Grabenweg zu entschleunigen und in weiterer Folge den Archenweg Richtung Westen und den Grabenweg Richtung Süden zu adaptieren. Das Quartiersmanagement hat sich als idealer Kanal von den ansässigen Unternehmen zu uns in die Verwaltung und Politik etabliert“, sagt Stadträtin Mariella Lutz, unter anderem zuständig für den Straßenbau in Innsbruck. Auch von Unternehmensseite wird die Arbeit der beiden Quartiermanagerinnen durch die Bank geschätzt. „Das Quartiersmanagement hat bisher meine Erwartungen übertroffen. Auch wenn es immer wieder kleine Rückschläge gibt und gezielte Maßnahmen mangels Budget doch nicht sofort umgesetzt werden können, überwiegen die erfolgreichen Schritte, die gemacht wurden, etwa Maßnahmen für mehr freie Parkplätze vor den Unternehmen. Das Quartiersmanagement kann durchaus Vorbild für andere Wirtschaftsgebiete sein“, so Markus Dax. Auch in Sachen Öffis wurden erste Schritte gesetzt und IVB-Linien erweitert. Ab Ende 2027 sollen mit dem Modellprojekt ROBERTA autonom fahrende Kleinbusse als Letzte-Meile-Lösung innerhalb des Quartiers getestet werden.

Der Standort per se ist aus Sicht der Unternehmer durchaus attraktiv. Laut einer Umfrage der Standortagentur und des Quartiersmanagements im Sommer 2025 wollen Unternehmen am Standort Rossau wachsen und ihre Flächen bedarfsgerecht weiterentwickeln. Gleichzeitig stoßen diese Vorhaben auf mannigfaltige Herausforderungen in Form von rechtlichen Vorgaben und Limitierungen durch den in die Jahre gekommenen Bestand. Zudem auf neue stadtplanerische Ansprüche an gestalterische Qualitäten von Gewerbearchitektur, soll das Wirtschaftsquartier doch attraktiver und klimafitter werden. Vor diesem Hintergrund hat das Quartiersmanagement eine Veranstaltungsreihe rund um den Themenkomplex „Bauen in der Rossau. Ansprüche, Hürden und Chancen“ umgesetzt, die auf großes Interesse bei Unternehmen, Bau- und Immobilienwirtschaft und Architekt*innen gestoßen ist.

Im November 2025 wurde vom Quartiersmanagement zu „Rossau gestalten!“ eingeladen. Im Zentrum der Veranstaltung standen Keynotes zu Entwicklungspotenzialen der Rossau sowie ein Podiumsgespräch mit Unternehmer*innen, Stadtplanung, Expert*innen und Politik. „Die Rossau zeigt klar: Unternehmen wollen wachsen – dafür braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, attraktive Infrastruktur und eine klare strategische Perspektive. Unser Fokus liegt darauf, durch mehr Transparenz, Beteiligung und effizientere Verfahren die Entwicklung des Standorts im Sinne einer nachhaltigen und wirtschaftlich tragfähigen Zukunft zu beschleunigen“, bekräftigt Janine Bex, Stadträtin für Stadtplanung, Mobilität und Integration, das klare Bekenntnis seitens der Stadtpolitik, sich für eine planvolle und nachhaltige Entwicklung der Rossau einzusetzen.

Der Diskussionsbedarf dazu ist groß und beginnt bei den Herausforderungen überbordender Bauvorschriften, den stetigen Preissteigerungen in der gesamten Baubranche und endet bei ökologischen Aspekten und dem Thema Nachverdichtung. So fordert die Kammer der Ziviltechniker*innen mit einem Positionspapier den Gebäudetyp E als zukunftsweisenden Ansatz insbesondere im Gewerbebau. „Wir prüfen aktuell Ideen und Modelle für kosteneffizientes und ressourcenschonendes Bauen, um daraus konkrete Verbesserungen für Innsbruck abzuleiten. Im Zuge der kommenden Novelle der Tiroler Bauordnung ist es unser Anspruch an das Land Tirol, die Umsetzung dieser Ansätze auch verbindlich zu verankern, um damit einen praxisnahen, planungssicheren und zugleich nachhaltigen Rahmen für den Gewerbebau zu schaffen“, bekräftigt Janine Bex Bestrebungen in Richtung einfacherem Bauen auch hinsichtlich Gewerbebau und Nachverdichtung in der Rossau.

Text: Doris Helweg

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Qualitätsvoll nachverdichten


Im Zuge der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen rund um Bauen und Nachverdichten in der Rossau ist seitens der Stadt Innsbruck eine Broschüre entstanden, die als Leitfaden für „Qualitätsvolles Bauen in Gewerbegebieten“ dienen soll. Zum Download der Broschüre klicken Sie hier.

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