Grazie, Valentino!
Publikation: Lifestyle | Ausgabe: SPEZIAL Juli 2010 | Ressort: traum.autos | Datum: 29.6.10
Es ist schon ein Traum, Testfahrer für Lamborghini zu sein. Wenn einem dann noch ein Auto gebaut wird, das den eigenen Namen trägt, ist das wohl die höchste Auszeichnung für einen Mitarbeiter. Valentino Balboni hat das geschafft.
Nach 42-jähriger Tätigkeit als Testfahrer bei Lamborghini hat Valentino Balboni das geschafft, wovon wohl alle Testfahrer dieser Welt träumen: ein ultrascharfes Modell, der „Gallardo LP550-2 Valentino Balboni“, trägt seinen Namen. Streng limitiert auf gerade einmal 250 Exemplare verfügt der Balboni über Heckantrieb (statt Allrad wie bei den anderen Gallardo-Modellen) und 550 PS. Das bewirkt, dass sich der Lambo wesentlich handlicher und agiler anfühlt, aber auch um einiges nervöser an der Hinterachse im Vergleich zu seinen Allradbrüdern. Doch genau das macht es aus: Jeder gefahrene Meter wird zum absoluten Fahrerlebnis. Gut, dass unser Test-Balboni mit dem E-Gear-Getriebe (es gibt auch einen Handschalter) ausgestattet war, denn so können beide Hände stets am Lenkrad bleiben. Das ist auch dringend nötig, denn der Schub, den der 550 PS starke 5,2-Liter-V10 an die Hinterachse abgibt, ist in jedem Drehzahlbereich enorm. Diese schiere Kraft des Lambos begeisterte auch unseren Slalom-Weltmeister Manni Pranger, der seine kurvige Hausstrecke zwischen Gschnitz und Steinach recht zügig meisterte. Im „Corsa“-Modus und ohne Traktionskontrolle ist der Balboni nur auf einer Rennstrecke oder – wie von uns getestet – auf einem großen Parkplatz fahrbar. Die 550 PS bringen den Stier auch noch im dritten Gang zum Quertreiben. Ein Riesenspaß auf dem Parkplatz, aber einfach zu gefährlich im öffentlichen Straßenverkehr. Über den Sound eines Gallardo gibt es nicht viel zu sagen, den habe ich in den vorhergehenden Tests mit den Lambos schon ausgiebig beschrieben. Nicht anders beim Balboni: Gänsehaut pur – er brüllt seine Kraft und Leidenschaft nahezu ungefiltert hinaus. Ein besonderes Highlight ist das selbständige Zwischengas-Geben beim Herunterschalten. Bei diesen Orgien dreht sich sogar die 80-jährige Oma samt ihren zwei Einkaufstaschen noch mal um. Wem es dann doch zu viel wird, der schaltet in den normalen Modus und auf Automatik, schon fährt der Superrenner ganz unauffällig, angenehm und fast schon leise durch die Straßen.
Völlig neue Abstimmung
Wer jetzt denkt, die Ingenieure haben beim Balboni einfach den vorderen Antriebsstrang weggelassen, der irrt. In allen Bereichen, welche die Fahrdynamik anbelangen, wurde Hand angelegt. Federn, Dämpfer, Stabis, ja sogar eigene Reifen wurden für die neuen Anforderungen hergestellt. Völlig neu ist das Hinterachsdifferential mit einer 45-Prozent-Sperre und die gesamte ESP-Abstimmung.
Optisch unterscheidet sich das Sondermodell durch einen mittig über das gesamte Auto verlaufenden Streifen im Stil der Sportwagen der 70er-Jahre. Dieser Streifen setzt sich auch innen an den Sitzen und am Armaturenbrett fort. Dazu gibt‘s spezielle Leichtmetallfelgen und eine Plakette im hinteren linken Seitenfenster, dann ist auch schon Schluss mit den Veränderungen.
Bleibt nur noch die Frage zum Preis: Gute 240.000 Euro wären schon fällig. Wären, denn die 250 Stück des Balboni sind schon vergriffen. Einige davon kurven auch auf Österreichs Straßen herum. Trotzdem: Grazie Lamborghini e grazie Valentino!
Autor: Bruno König
Foto: Bruno König













