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Das Gezanke im Granit.

Publikation: Wirtschaftsmagazin |  Ausgabe: Juli/August 2010 | Ressort: eco.wirtschaft | Datum: 1.7.10

Löcher über Löcher: Da sind zum einen die Löcher im Berg. Der Erkundungsstollen in der Innsbrucker Sillschlucht kommt voran, die Mineure sprengen sich im Schichtsystem den Weg frei durch Gneis, Granit und Glimmer. Mittlerweile haben sie fast die 600-Meter-Marke geknackt und blieben verschont von bösen Überraschungen. Ihre Partner auf der italienischen Seite bei Franzensfeste liegen ebenfalls im Soll und so sollte es mit den beiden großen Löchern für den Brenner-Basistunnel eigentlich noch dieses Jahr losgehen. Aber daraus wird ja nun nichts mehr. Weil es noch größere Löcher gibt und die befinden sich in den Kassen der beteiligten Partner.

Die Wirtschaftskrise fordert ihren Tribut im öffentlich Sektor, erst floss geliehenes Geld für Konjunkturprogramme, jetzt folgt die finanzielle Vollbremsung und die neue Losung in Wien und mehrheitlich in Europa heißt Sparen. Die ÖBB schleppen ein sattes Defizit von etlichen Milliarden mit sich herum und dass dieses über Nacht verschwindet, scheint eher unwahrscheinlich. Die ÖBB aber sind Seniorpartner in der BBT-Gesellschaft, Repräsentant der Republik und sollten eigentlich zusammen mit der italienischen Staatsbahn das Projekt stemmen. Flankiert von den Millionen der EU.
Die Herren Cox und Kallas wollen ja zahlen, wie sie in Interviews immer wieder beteuern, aber eben nicht um jeden Preis, und wenn die beiden beteiligten Nationen intern auf keinen gemeinsamen Nenner kommen, verliert die zugesagte Bruchrechnung ihre Gültigkeit und die bis dato zugesagte Drittelfinanzierung aus Brüssel verschwindet im schwarzen Loch europäischer Geldströme. Damit wäre das Projekt endgültig begraben und vom einstigen Prestige wäre wenig geblieben außer zwei kleinen Löchern im massiven Berg. Im Herbst will Wien entscheiden, falls die Evaluierung bis dahin abgeschlossen ist und das Sommerloch die­se dringende Arbeit nicht abermals verzögert. Dann zeigt sich auch, ob Landeshauptmann Günther Platters so harter Verhandlungskurs bei Finanzminister Josef Pröll um möglichst niedrige Eigenleistungen nur ein Pyrrhussieg war und die Wipptaler wieder zu Demozwecken auf die Straße müssen, zumindest die Bürgermeister, denn der Transit von rund 14.000 betroffenen Einwohnern ist wohl doch etwas aufwändig. Vielleicht findet ja auch die nächste Klausurtagung der Regierung im Wipptal statt, damit sich alle Entscheider von der Situation selbst ein Bild machen können.
Damit es auch in Zeiten wie diesen möglich ist, an dem gewaltigen Infrastrukturprojekt festzuhalten, hat Tunnelchef Prof. Dr. Konrad Bergmeister ein neues Konzept entwickelt, das beim Sparen helfen soll. Bei der nächsten Aufsichtsratssitzung der Gesellschaft will er die Variante im Detail vorstellen. Einziger Haken an der Sache: So ein Konzept bedarf wahrscheinlich in Zeiten wie diesen ebenfalls einer weiteren Evaluierung, um zu ermessen, inwieweit es tatsächlich zur Konsolidierung der Kosten beiträgt. Und das kostet wieder, Geld und Zeit. Beides knappe Güter und so fragen wir Konrad Bergmeister selbst.

Das entsprechende Interview finden Sie in der Printausgabe.

Autor: Stefan Becker
Foto: Stefan Becker

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