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Glänzendes Investment.

Publikation: Wirtschaftsmagazin |  Ausgabe: Juli/August 2010 | Ressort: eco.geld | Datum: 1.7.10

Immer mehr Anleger kaufen Gold, weil sie Angst vor einer steigenden Inflation und einer schwächelnden Währung haben. Die Suche nach dem sicheren Hafen hat den Goldpreis mittlerweile auf ein Rekordhoch getrieben. Die Nachfrage nach Münzen und Barren, aber auch anderen Anlageformen bleibt davon unbehelligt. Wie es mit dem Goldpreis weitergeht und wie Sie in das gelbe Edelmetall investieren können, haben wir gemeinsam mit Experten analysiert.

Gold war auch das Thema des diesjährigen European Bankers Symposium, das heuer in der Münze Hall stattfand. Dass sich Gold in der Form von Münzen nach wie vor höchster Beliebtheit erfreut, bestätigen in eindrucksvoller Weise die Verkaufszahlen der Münze Österreich beziehungsweise des Schoel­ler Münzhandels, die vier Goldshops in Österreich (Innsbruck, Graz und Wien) und in Freiburg (D) betreiben. Panikkäufe haben im Mai für einen Rekord gesorgt: „Normalerweise produzieren wir 3.000 bis 6.000 Unzen Gold (eine Unze entspricht 31,1 Gramm Gold und ist das Gewicht des Wiener Philharmonikers) pro Tag. Im Mai reichten 485.000 Unzen nicht aus, um die gesamte Nachfrage zu decken“, so Kurt Meyer, Vorstandsvorsitzender der Münze Österreich. Rund die Hälfte davon entfiel auf den in Österreich und Europa beliebten Wiener Philharmoniker, der dem Schoeller Münzhandel in diesem Monat einen Rekordumsatz von 70 Millionen Euro bescherte. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2009, das beileibe kein schlechtes war, belief sich der Umsatz der Goldshops auf 250 Millionen Euro. Die meistgehandelte Münze ist der Wiener Philharmoniker, wobei die Steigerung insbesondere bei der kleinen Münze (1/10 Unze) mit 150 Prozent besonders hoch war, so Alexander Schwab Trau, Numismatiker und Filialkoordinator beim Schoeller Münzhandel. Vor allem Sparer und Kleinanleger fragen derzeit Münzen nach, wobei Armin Schneider, ÖNB-Regionaldirektor, vor zu vielen kleinen Stücken abrät, da dort „der Aufschlag in Form von Prägekosten, aber auch Marketing und andere am größten ist“. Eine Alternative könnten Goldsparpläne sein, die von diversen Banken angeboten werden. Diese bündeln zumeist die Ansparbeträge der Anleger und können so größere Stückelungen (zumeist Barren) erwerben und hinterlegen. Probleme können sich dort aber bei der Auslieferung ergeben, wenn wiederum kleinere Stücke gewünscht oder notwendig werden, wodurch es zu Lieferengpässen oder Preisaufschlägen kommen kann.
Eine weitere Form der Anlage in physisches Gold stellen ETFs (börsengehandelte Fonds) dar, die das Anlegerkapital ihrerseits in Barrenform physisch hinterlegen. ETFs punkten vor allem aufgrund ihrer günstigen Kostenstruktur und täglichen Handelbarkeit (Verkauf/Rückgabe in Geld). Die Problematik der Auslieferung bleibt aber auch hier bestehen. Andere Anlageformen – in Form von Beteiligungen oder Schuldverschreibungen (Zertifikaten) – widersprechen eigentlich dem Ursprungsgedanken der Goldanlage als sicheres Investment in oder für Krisenszenarien, weil der Anleger sich hier mit dem Emittentenrisiko eine zusätzliche Unsicherheit einkauft.
Wobei wir bei der alles entscheidenden Frage für die Goldanlage sind: Ist Gold tatsächlich so sicher und wertbeständig, wie die meisten Anleger heute annehmen, oder erleben wir beim Goldpreis eine ähnliche Blase, wie wir sie in der Vergangenheit schon bei vielen anderen Anlageklassen gesehen haben? Richtig ist, dass der Goldpreis aktuell einen neuen Rekordstand erreicht hat (zum Zeitpunkt dieser Ausgabe notiert der Goldpreis bei rund 1.250 USD bzw. 1.000 Euro/Unze). Nach neun Jahren in Folge mit steigenden Preisen kletterte das Edelmetall auch in diesem Jahr bereits um mehr als 13 Prozent nach oben und ein Ende des Aufwärtstrends scheint derzeit jedenfalls nicht absehbar. Inflationsberei­nigt – und das ist eigentlich für jene Anleger, die aus Angst vor dem Kaufkraftverlust auf das Edelmetall setzen – müsste Gold vom letzten Hype Ende der 70er/Anfang 1980 ausgehend bei rund 1.800 USD notieren (für Euro-Investoren sogar bei über 2.000!). Rechnet man noch eine geringe Real- oder Alternativverzinsung hinzu, bei rund 3.500 USD!
Nichtsdestotrotz gilt Gold als absolute Krisenwährung und hat auch über viele Jahre seine beziehungsweise die Kaufkraft seiner Besitzer erhalten. So konnte man sich beispielsweise schon zu Zeiten Roms um eine Feinunze Gold eine Tunika kaufen. Für dieselbe Unze bekam man auch im England des 18. Jahrhunderts ebenso wie in London 2010 einen edlen Herrenanzug. Ein anderes Beispiel: Setzt man den Preis für einen Laib Brot heute mit 2,50 Euro an, dann bekommt man heute genauso wie vor 2.600 Jahren, zu Zeiten des babylonischen Königs Nebudkadnezar II. für eine Unze Gold 350 Laib Brot. Will man nicht so weit zurückgehen, findet man ein Beispiel für die stabile Kaufkraft von Gold auch beim Preis für Erdöl: Heute wie vor 50 Jahren kostet ein Barrel Öl etwa 2 Gramm Gold.

Langzeitvergleiche stützen Goldpreis

Auf solche historischen Vergleiche setzt auch der Tiroler Fondsmanager und Anlageexperte Herbert Schmarl. Auch Schmarl geht von einer weiteren Fortsetzung des Anstiegs (mit Unterbrechungen) in Richtung 2.000 USD/Feinunze aus, wobei in einem möglichen Inflationsszenario der Goldpreis auch deutlich darüber steigen könnte. Als Begründung für diese These nennt Schmarl einerseits die Gold-Ölpreis-Relation beziehungsweise auch US-Aktien gegenüber Gold (siehe eco.nova 12/2009, S. 88). So konnte man im langfristigen Durchschnitt für eine Unze Gold immer 20 Barrel Öl kaufen. Ausgehend von einem fairen Ölpreis von 70 bis 80 USD je Barrel müsste eine Unze Gold demnach 1.500 USD kosten. Viel weiter steigen könnte Öl aber, wenn man eine weitere historische Relation zur Preisbestimmung heranzieht: Im letzten Jahrhundert hat es zwei Phasen gegeben, in denen man mit ein bis zwei Unzen Gold die 30 größten US-Aktien (respektive den Dow Jones Index) kaufen konnte. Das war 1932, als Gold bei ca. 20 USD/Unze lag und der Dow Jones bei rund 40 Punkten (nachdem er im Zuge der Weltwirtschaftskrise von 350 Punkten um fast 90 Prozent gefallen war), und 1980 zum Ende der zweiten Ölkrise, als der Dow bei 900 Punkten stand und Gold rund 800 USD/Unze gekostet hat. Umgekehrt kostete der Dow 1966 bei einem Stand von rund 10.000 Punkten knapp 30 Unzen Gold und heute befinden wir uns wieder auf einem Weg von mehr als 36 Unzen im Jahr 2000 (bei einem Dow von über 10.000 Punkten und einem Goldpreis von rund 300 USD) in Richtung ein bis zwei. Das würde bedeuten, dass (in einem deflationären Szenario) Gold in den nächsten Jahren bei 2.000 USD/Unze und der Dow Jones bei 4.000 Punkten stehen könnte, beziehungsweise bei Inflation Gold bei 5.000 und der Dow immer noch bei 10.000, so Schmarl.

Lesen Sie den gesamten Artikel in der Printausgabe.

Autor: Michael Posselt
Foto: Florian Schneider

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